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Antisemitismus in Deutschland ausgangs des 19. Jahrhunderts – Quellen und Materialien – |
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*8.3.1830 Santomischel (Santomysl) †1.4.1897 Berlin |
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Eine ausführliche Biographie Hermann Makowers nebst einem Verzeichnis seiner Schriften ist enthalten in: Hoffmann, Gerd: Der Prozeß um den Brand der Synagoge in Neustettin. Antisemitismus in Deutschland ausgangs des 19. Jahrhunderts. Mit einer Einführungsbibliographie und biobibliographischen Anmerkungen zu Ernst Henrici, Hermann Makower, Erich Sello. – Schifferstadt: Gerd Hoffmann Verlag, 1998, Seite 282-292.
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Vita Hermann Makower |
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8.3.1830 | Geburt in Santomischel (Santomysl; jetzt Zaniemyśl) im Großherzogtum Posen als Sohn des jüdischen Kleinkaufmannes Jakob Makower und dessen Ehefrau Glückchen Keile Jolowicz. Der Großvater war Rechtskonsulent. |
1839/40 |
Nach Kindheit in Santomischel Eintritt in das Französische Gymnasiums in Berlin. Dort Leben in dürftigen Verhältnissen. |
1840 |
Begründung einer lebenslangen Freundschaft mit Siegmund Joel Meyer, dem Sohn des Seidenwarenfabrikanten und damals reichsten Juden Berlins Joel Wolf Meyer. |
18.10.1848- 4.10.1851 |
Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Berlin, unterbrochen durch Ableistung des Wehrdienstes. |
1851 | Ernennung zum Auskultator. |
1856 | Assessorexamen. |
1856 | Beförderung zum Vizefeldwebel. |
1857 | Ernennung zum beisitzenden Gerichtsassessor. Makower war somit erster jüdischer (ungetaufter) Richter am Berliner Stadtgericht. |
1857 | Veröffentlichung seines ersten Buches mit dem Titel: "Die Stellung der Vertheidigung im preußischen Strafverfahren." |
Berufung in die preußische (Bornemannsche) Kommission zur Beratung des Entwurfs einer neuen Zivilprozeßordnung und in die Kommission zur Beratung des Entwurfs einer deutschen Gemeinschuldordnung (Konkursordnung). | |
12.08.1862 | Ehe mit Doris Ball, Tochter des Calauer Wollhändlers und Bankiers Meier Ball. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Felix und Hedwig. |
30.11.1863 | Geburt des Sohnes Felix Makower (†31.1.1933). (Felix Makower wurde Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Berlin sowie letzter Vorsitzender des Verbandes der deutschen Juden.) |
1864 | Zulassung als Rechtsanwalt beim Königlichen Stadtgericht und (ebenso wie sein Freund Siegmund Meyer) Notar beim Kammergericht in Berlin. Die beiden sollen die ersten Juden gewesen sein, die den Titel „Königlicher Notar“ erhielten. |
1860-1895 | Seit dem 1. Deutschen Juristentag 1860 fungierte er dort viele Jahre in verschiedenen Funktionen als Berichterstatter, Gutachter, Schriftführer und Diskussionsteilnehmer. Ab 1867 Mitglied der Ständigen Deputation des Deutschen Juristentages. Ab 1881 auch Schatzmeister. |
1866-1892 | Mitglied der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin. Ab 1870 Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin. |
1870 | Erfolglose Kandidatur für die Nationalliberale Vereinigung bei den preußischen Landtagswahlen. |
1872 | Erfolglose Kandidatur für die Nationalliberale Vereinigung zum preußischen Landtag bei Ersatzwahlen. |
1873 | Verfasser der Schrift: „Ueber die Gemeindeverhältnisse der Juden in Preußen.“ |
1879 | Vorstandsmitglied, später stellvertretender Vorsitzender der Berliner Rechtsanwaltskammer. Engagement für die Freiheit der Advokatur. |
18.2.1881 | Als Folge des aufflammenden Antisemitismus brennt die Synagoge in Neustettin (Hinterpommern) ab. Die jüdische Gemeinde Neustettin wird von Antisemiten beschuldigt, den Brand selbst gelegt zu haben, umgekehrt werden Antisemiten des Brandes beschuldigt. Makower wird in einem diesbezüglichen Strafverfahren 1883 zusammen mit Erich Sello die angeklagten Juden vertreten und eine Freispruch erzielen. |
1881 | Vortrag "Unsere Gemeinde", der auch gedruckt erschien. |
1882 | Engagement für die Betroffenen der blutigen Judenverfolgungen in Rußland 1881/82. 1882 reiste er als Vorsitzender eines Hilfskomitees in die an Rußland angrenzende galizische Kleinstadt Brody, wo sich etwa 20000 Flüchtlinge angesammelt hatten. Dort wählte er unter den Flüchtlingskindern 39 sechs- bis zehnjährige Jungen aus, die dann ab 1882 in einem eigens zu diesem Zweck gekauften Haus in Berlin-Pankow eine Ausbildung als Handwerker erhielten. Das zunächst "Erziehungshaus in Pnkow bei Berlin" genannte Haus wurde später das Zweite Waisenhaus der jüdischen Gemeinde Berlin. |
1882 | Verteidigung des Historikers Theodor Mommsen, der wegen Beleidigung des Reichskanzlers Bismarck angeklagt worden war. |
22.10.1883 |
Strafprozess in Köslin gegen mehrere Mitglieder der jüdischen Gemeinde Neustettin wegen angeblicher Beteiligung an der Brandstiftung ihrer Synagoge. Schuldsprüche. Neuer Prozess am 29.2.1884. |
7.3.1884
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Berufungsverhandlung in Konitz gegen die am 22.10.1883 verurteilten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Neustettin mit Makower als Verteidiger. Freispruch, nachdem sich die stark belastenden Aussagen eines antisemitischen Zeugen als unwahr herausstellten. |
1888 | Reise Makowers nach Petersburg und Wilna zur Regelung einer Erschaftsangelegenheit für den späteren Reichskanzler Prinz Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst. |
1888 | Verleihung des preußische Rote Adler-Ordens 4. Klasse. |
1892 | Ausscheiden aus der jüdischen Repräsentantenvertretung, nachdem sich hier rückwärts gerichtete Strömungen geregt hatten. |
1896 | Autor verschiedener Schriften, darunter zum Beispiel: Beitraege zur Beurtheilung des Entwurfs eines Handelsgesetzbuchs. |
1.4.1897 | Tod. Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee. |